Es geschah um fünf Uhr morgens am 24. Februar 2022. Damals stürmte meine Großmutter in mein Zimmer und rief:
Anja, wach auf! Der Krieg hat begonnen!
Zuerst dachte ich, es sei ein Scherz. Welcher Krieg könnte im 21. Jahrhundert sein? Ich wollte es nicht glauben, doch nur ein paar Minuten später hörte ich eine Explosion in der Nähe unseres Hauses. In diesem Moment fühlte ich, wie sich mein Herz zusammenzog und mein Körper von einer unsichtbaren Kälte umhüllt wurde, als hätte man mich in eisiges Wasser getaucht. Wahrscheinlich werde ich dieses Gefühl von Angst und Ungewissheit nie vergessen.
In unserer Nähe befand sich der Flughafen „Kiew“, und die meisten Raketen trafen genau dort. Schließlich ist das ein „militärisches Ziel“, wo nach Meinung der Russen Neonationalisten sein sollten, die in Wirklichkeit nie existiert haben. Meiner Meinung nach ist es sehr dumm, Morde unter dem Deckmantel von „Befreiern“ von etwas Unklarem zu rechtfertigen.
Während der zweiten Explosion, die mir noch näher erschien, begann ich zu begreifen, dass dies kein Scherz, sondern ein echter, wahrhaftiger Krieg war.
Der erste Gedanke, der mir damals in den Sinn kam, war:
Oh nein, nur das nicht! Heute ist doch mein zweiter Arbeitstag in meinem Traumjob! Wie konnte das passieren?
Ja, genau, ich hatte eine Stelle als Social Media Managerin in einem großen Architekturbüro mit ausgezeichnetem Gehalt und der Möglichkeit, durch das Land zu reisen, gefunden. Für mich begann ein neuer Lebensabschnitt, denn bis dahin hatte ich nur als Studentin gejobbt. Jetzt hatte ich meinen ersten Vollzeitjob und musste nicht mehr an meine Universitätsaufgaben oder Prüfungen denken.
Buchstäblich an einem Tag änderte sich mein ganzes Leben dramatisch. Mein erster Arbeitstag, der 23. Februar 2022, hob mich in den Himmel, und am nächsten Tag öffneten sich für mich die Pforten der Hölle….

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