Seit dem ersten Tag des Krieges leistet die amerikanische Regierung der Ukraine umfangreiche finanzielle und militärische Unterstützung. Nach fast drei Jahren intensiver Hilfe ist ein entscheidender Moment eingetreten: Der Präsident der Vereinigten Staaten hat angekündigt, die Kosten durch die Nutzung ukrainischer Ressourcen, einschließlich Mineralien und Seltenerdmetalle, auszugleichen.
Am 10. Februar erklärte Donald Trump in einem Interview mit Fox News:
„Sie können ein Abkommen schließen oder auch nicht. Irgendwann könnten sie russisch werden oder auch nicht. Aber wir haben enorme Summen investiert, und ich habe gesagt: ‚Ich will sie zurückbekommen.‘ Ich habe es ihnen direkt gesagt: ‚Ich möchte das Äquivalent von etwa 500 Milliarden US-Dollar in Form von seltenen Erden.‘ Und sie haben dem im Großen und Ganzen zugestimmt.“

Am nächsten Tag reagierte Wolodymyr Selenskyj in einem Interview mit Reuters. Laut dem Präsidenten beabsichtigt die Ukraine nicht, ihre Bodenschätze abzugeben, zeigt sich jedoch offen für Partnerschaften zur gemeinsamen Erschließung dieser Ressourcen. Außerdem erklärte Selenskyj, dass Verhandlungen mit dem Weißen Haus über die Lagerung von amerikanischem Flüssiggas auf ukrainischem Boden geführt werden.
Warum dieses Interesse an den natürlichen Ressourcen der Ukraine?
Amerika ist ein digitaler Gigant und belegt laut dem Global Innovation Index Mit jedem Jahr verstärkt sie ihre Aktivitäten in Hightech-Bereichen: angefangen bei modernisierten Elektroautos und Smartphones bis hin zu Robotik und Raketenbau. Trotz ihrer unglaublichen technologischen Möglichkeiten liegt sie in einigen Bereichen immer noch hinter China zurück.
Derzeit verfügt China über fast 38 % der Reserven an Seltenerdelementen, von denen es 85 bis 95 % weltweit liefert. Wichtige Lieferanten dieser Elemente sind auch Australien, Kanada, Brasilien, Indien und Vietnam.
Um von China unabhängig zu werden, benötigen die USA neue Bezugsquellen für essenzielle Rohstoffe der modernen Technologie. Der Zugang zu ukrainischen Ressourcen würde Washington einen strategischen Vorteil verschaffen und seine Position in der globalen Wirtschaft stärken. Laut Donald Trump wäre ein solcher Handel für die USA auch eine Frage der Sicherheit:
„Wir wollen mit der Ukraine einen Deal abschließen, bei dem sie durch seltene Erden und andere Rohstoffe die Sicherheit dessen gewährleisten, was wir ihnen geben.“
Welche Bodenschätze sind für Amerika attraktiv?
Im Sommer 2024 hob die Europäische Kommission in einem Bericht des Weltwirtschaftsforums das Potenzial von mehr als 20 wichtigen Bodenschätzen in der Ukraine hervor, die eine stabile Wirtschaft der NATO-Länder gewährleisten könnten. Dazu gehören Uran, Titan, Lithium, Graphit, Nickel und Aluminium.

Die Ukraine verfügt beispielsweise über die größten Titanreserven in Europa, die etwa 7 Prozent der weltweiten Reserven ausmachen. Titanerze sind wichtig für die Herstellung von medizinischen Geräten und Geräten für die Luft- und Raumfahrt, sowie von Robotern und automatisierten Systemen.
Darüber hinaus ist die Ukraine der größte Lithiumlieferant Europas, mit geschätzten Reserven von rund 500.000 Tonnen. Dieses Metall ist ein zentraler Bestandteil von Akkus. Die Ukraine belegt zudem den fünften Platz weltweit bei den Reserven von Graphit und Gallium. Graphit ist ein unverzichtbarer Bestandteil von Batterien und Kernreaktoren, während Gallium eine entscheidende Rolle in der Halbleiter- und LED-Produktion spielt.
Sind Lieferungen von natürlichen Ressourcen möglich?
Laut Forbes wird der Gesamtwert der Bodenschätze in der Ukraine auf etwa 15 Billionen US-Dollar geschätzt, mit einem Gesamtvolumen von 111 Milliarden Tonnen.

Ein Großteil dieser natürlichen Reichtümer ist jedoch in den Regionen Donezk, Dnipropetrowsk und Luhansk konzentriert, was erhebliche Hindernisse für den Beginn der Förderung schafft. Anfang 2025 befinden sich mehr als 70 % der Vorkommen auf Gebieten, die teilweise oder vollständig von Russland besetzt sind.
Beispielsweise liegen zwei der vier potenziellen Lithiumminen sowie sechs bedeutende Titanvorkommen in besetzten Gebieten. Dies erschwert den Zugang zu Ressourcen erheblich, die zu wichtigen strategischen Vermögenswerten für die Ukraine und ihre internationalen Partner, einschließlich der NATO, werden könnten.
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